Neue Inspektion im Sarkophag Friedrichs II.

Aus dem Italienischen zusammenfassend bis wörtlich übersetzt von

Waldemar Eistemeier

 

Nach dem Tod des Kaisers wurde der Sarkophag zweimal geöffnet: 1338 und schon kurz danach 1342, wo zwei weitere Leichname beigelegt wurden, die nach zeitgemäßen Dokumenten dem Herzog Wilhelm von Athen und Peter II., beide Söhne Friedrichs II. von Aragon, entsprechen. Ein weiterer Versuch, den Sarkophag zu öffnen, erfolgte 1491, wurde aber mit wilden Protesten von kaisertreuen Anhängern abgewendet, da diese die Öffnung als einen Frevel betrachteten.

Offensichtlich niemand verhindern konnte dann die Öffnung im Jahr 1781, die im Zuge von Umarbeiten an der Kathedrale erfolgte.

Die drei Leichname erschienen hierbei gut erhalten, nicht der Hauch einer Beschädigung war erkennbar. Eine genaue Beschreibung mit eindrucksvollen Zeichnungen liefert Francesco Danieli in seinem Buch "I regali Sepolcri del Duomo di Palermo" [Die heiligen Grabstätten im Dom zu Palermo], das 1784 in Neapel erschienen ist. [Ob auch zeichnerische Darstellungen von den anderen beiden Grabinsassen vorhanden sind, wird im Artikel nicht erwähnt und konnte auch durch Nachforschungen des Übersetzer nicht geklärt werden].

In seiner Beschreibung äußerte Danieli aber auch Zweifel über die Identität einer der drei Leichname: An Stelle des Herzogs Wilhelm von Athen schien eine Frauengestalt zu liegen.

Nun sind wir im Jahr 1994, dem 800. Jahrestag von Friedrichs Geburt. Die in Palermo führenden Kulturinstitutionen kamen wohl überein, einen weiteren Eingriff am Sarkophag vorzunehmen. Zwei endoskopische Untersuchungen wurden vorgenommen, indem bei einer in den Sarg ein hochempfindliches elektronisches Videoauge eingeführt wurde.
Den Experten bot sich ein chaotisches Bild von Stofffetzen, Stroh und Material, das gewöhnlich zur Füllung von eviszerierten und einbalsamierten Körpern benutzt wird. Die Fragen darüber, was da geschehen war, sind noch offen.

Soweit jedoch nur der Aspekt der Minimalöffnung und was hierdurch zu beschauen war. Über den weiteren Aspekt vieler bei dieser Minimalöffnung begangenen Nachlässigkeiten werden wir weiter unten eingehen.

Es besteht ja die Möglichkeit, dass durch die Öffnung 1781 die sterblichen Überreste der drei Leichname Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt waren, die irreparable Schäden verursachten. Aber selbst Vermutungen einer Grabschändung bestehen, die während des letzten Weltkrieges durch die deutschen Besatzungstruppen erfolgt sein könnte. Die Deutschen lieben ja Friedrich II. mehr als die Italiener. Schließlich legen deutsche Touristen Blumen an seinem Grab nieder.

Um allen widrigen Umständen bei dieser Minimalöffnung vorzubeugen, wurde nun ein wissenschaftlicher Prüfungsausschuss gebildet, der die Aufgabe hatte, Vorbereitungen und Ziele dieser neuen Initiative zu koordinieren. Vor dem Eingriff am Sarg sollten die Experten erst einmal das in ihm herrschende Mikroklima untersuchen und eine so genannte "camera bianca" (weiße Kammer), also ein vollständig steriles Umfeld schaffen sowie das Risiko einer weitern Schädigung des Inneren auf ein Minimum herabsetzen.

Neben allen historischen, kulturellen und wissenschaftlichen Aspekten stellt sich nach der Öffnung des Sarkophags 1781 die Frage über die Möglichkeit, ob die sterblichen Überreste der Sarginsassen einer DNA-Analyse, Röntgenaufnahmen und sonstigen Laboranalysen unterzogen werden können, um z.B. Erkenntnisse über den Tod Friedrichs II. zu erlangen und ein für allemal die anderen im Sarg vorhandenen Personen zweifelsfrei zu identifizieren. Da ist aber noch mehr: Ein durch modernste, baldmöglichster Technologie unterstützter Eingriff kann den Zerfall der Leichname aufhalten und die noch vorhandenen Bestandteile aufnehmen, um sie für heute nicht mögliche, in einer näheren Zukunft aber voraussehbare Untersuchungen verfügbar zu machen.

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