Castel del Monte

von Alberto Gentile

Andria (In der "Terra di Bari", das Land von Bari) ist leicht aus Foggia mit der Autobahn Richtung Bari zu erreichen. Unweit davon (16 km) finden wir Castel del Monte.

Die Hauptwerkstatt für den Bau der domus solatiorum Castel del Monte wurde in Foggia errichtet. Verwendet wurde Material aus den Steinbrüchen im Gargano. Eine einzige Urkunde über die Geschichte dieses Denkmales ist erhalten: Ein Erlaß vom 28. Januar 1240, den Friedrich II., der damals in Gubbio weilte, dem Giustiziere di Capitanata, Riccardo di Montefuscolo, schickte. Im Erlaß befehlte der Kaiser, Baumaterial für das zu errichtende "castrum" bei "Sancta Maria de Monte" (Einer benedektinische Abtei und Kirche, die heute verschwunden ist) in der Nähe von Andria zu verschaffen. Für den Bau wurden Handwerker in Anspruch genommen, die damals in der Cirsterzenser Abteien in Sizilien und Apulien tätig waren.

Luftansicht von Castel del Monte.

Castel del Monte stellt ein wunderbares Beispiel der Romanisch-Apulischen Architektur dar. Die Wichtigkeit dieses auf der Welt einzigartigen Denkmales ist derartig groß, daß es vom UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Castel del Monte ist der Friedrich‘sche Palast per Excellence, sei wegen seiner besonderen Struktur wie wegen der Sorgfalt des Entwurfes mit dem Ziel, ihn von jeder Blickrichtung mit einem gleichbleibenden Erscheinungsbild sichtbar zu machen. Der Bau ist das Beispiel einer echten mathematischen Studie, die sich auf die Zahl acht (in der islamischen Welt eine magische Zahl) in einem Spiel von Symmetrien bezieht. Der Grundriß umfasst zwei konzentrische Achtecken, an dessen Winkeln acht ebenfalls achteckige Türme sich emporheben.. Der Bau umfasst zwei Stockwerke; etwa auf der halben Höhe der Außenwand deutet ein Sims auf die Trennung der beiden inneren Stockwerke.In den Räumen zwischen den Turmpaaren können ein einbögiges Fenster im unteren und ein zweibögiges im oberen Stockwerk betrachtet werden.

Das Portal hat eine klassische Struktur und gliedert sich harmonisch in dem gesamten Bau: Spitzbogen, Säulen, die Löwen stützen, spitz auslaufendes Tympanon. Es wurde so gebaut, daß die Ausrichtng nach Osten genau stimmt, wenn die Sonne das Äquinoktium erreicht, d. h. am 21. März und am 23 September. Der Innenhof wiederholt den achteckigen Grundriß des gesamten Baus. Zu dem Hof öffnen sich drei Türe des ersten Stockwerkes, bei denen schlanke Säulen den mit pflanzlichen Motiven verzierten Gurtbogen stützen. Die sechzehn trapezförmigen Säle sind mit Kreuzgewölben französischer Prägung gedecckt. Eine Wendeltreppe führt zum oberen Geschoß.

In den Türmen befinden sich Diensträume: Der Fälknerturm diente zum Beispiel als Unterkunft für die Greifvögel. Eine raffinierte Dachgestaltung mit beidseitiger Neigung führte das Regenwasser in Zisternen oder in die Räume, die zur Körperpflege dienten. 

Castel del Monte.

Da nur wenige Schutzelemente vorhanden sind, und aufgrund der architektonischen Besonderkeiten hat man oft behauptet, Castel del Monte sei als Ort der Zerstreuung angedacht, wo der Kaiser sich zur Falkenjagd widmen und die Sternen mit den Astronomen, die zu Gast empfangen wurden, beobachten konnte, aber es ist eher wahrscheinlich, daß Castel del Monte als Meditationstätte entworfen wurde, als Ort aus dem das Wissen sich hätte ausbreiten können, als Ort wo Weisen oder Neophyten aus verschiedenen Religionen sich begegnen konnten. Wer ein solches Denkmal entworfen hat, wollte den Nachfahren ein Vermächtnis hinterlassen, indem das gesamte Wissen der Zeit in den Bau hineinfloß.

Copyright  ©2002 Alberto Gentile

Deutsch von Claudia Litti


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