Die Deutschritter

 Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem

von Alberto Gentile

Während der Kreuzzugszeiten wurde der Mönchsorden der Deutschritter gegründet und zwar höchstwahrscheinlich im Jahre 1190 in St. Johannes Akkon. Wie die Tempelritter und die Malteser auch, widmete sich der Orden der Hilfestellung der Pilger und der Verteidigung der heiligen Orte gegen die Muselmanen. Als „Frates hospitales Sanctae Mariae Theutonicorum Ierosolimitanorum[1] ins Leben gerufen, wurde ihr Name später zu Ehren der Kirche mit angeschlossenem Hospiz und der Heiligen Maria gewidmet, die im Süd-Osten Jerusalems[2] liegt, umgeändert. Dort ließen sich die Pilger und Kreuzritter aus Deutschland nieder, die das Heilige Land im Gefolge Friedrich Barbarossas zuerst und Heinrich VI danach betraten.

Ruinen des Hospizes des Deutschen Hauses St. Mariens in Jerusalem

Der junge Kaiser Heinrich VI, der wenige Monate zuvor als König Siziliens am 25. Dezember 1194 in Palermo gekrönt wurde, hatte sich anlässlich eines Reichstages in der Karwoche des Jahres 1195 in Bari dazu verpflichtet, einen Kreuzzug ins Heilige Land zu unternehmen. Damit wollte er dem Papst seine Zuverlässigkeit an den Grenzen des „Unio regni ad imperium“ beweisen, denn er hatte Sizilien mit seiner Eheschließung  mit Konstanze von Hauteville bekommen.

Der Kreuzzug sollte fast ausschließlich ein deutscher sein. Aber nur ganz kurze Zeit nach Ankunft des Hauptkontingents in Akkon am 22. September 1197 starb Heinrich VI am 28. September plötzlich und obwohl der Kreuzzug bis ins Frühjahr 1198 weitergeführt wurde verlor er seine politische und religiöse Konsistenz.

Unter den begleitenden Kreuzrittern tat sich eine deutsche Hospitalbruderschaft hervor, die beim Papst akkreditiert war. In Akkon verwandelte sich diese in einen richtigen militärisch-religiösen Orden und erhielt im Jahre 1198-1199 die offizielle Annerkennung und die Ordensregeln des Hl. Augustinus durch eine Bulle von Papst Innozenz III.

Während die Tempelritter fast ausschließlich Franzosen waren, die Malteser vor allem Italiener und Franzosen, konnten dem Deutschen Ritterorden nur Mitglieder deutscher Adelshäuser beitreten.

Wahrscheinlich ist der politische Grund für die Gründung  eines deutschen Ritterordens im Heiligen Land in den Schwierigkeiten der Deutschen zu suchen, Aufnahme bei den anderen beiden Orden zu finden.

Die Deutschritter waren von Anfang an an eine nationale Idee gebunden, die sich streng auf das deutsche Vaterland bezog.

Die Umstände jedoch verwehrte ihnen nicht, auch Hauptfiguren im Krieg zur Verteidigung Jerusalems neben den Tempelrittern und Maltesern zu sein und mit ihnen sowohl Glorie als auch Niederlagen dieser Pflichten im Nahen Osten zu teilen.

Ein weiteres, ausschlaggebendes Element, das die Deutschritter von den andern Ordensgemeinschaften unterschied, war die Rolle der Frauen, die seit jeher im Orden in allen Rängen aktiv waren und sich schon immer um die Verletzten und Kranken kümmerten.

 

Deutschritter in Kriegsmontur, Gravierung von Brann und Scheineder, München 1890

 

Der Orden barg in sich sowohl Ritter als auch Geistliche. Beide Kategorien trugen einen weißen Mantel mit einem schwarzen Tatzenkreuz (an den Kreuzenden verbreitert)[3] auf der linken Mantelhälfte. Die Ritter über ihrer Rüstung und die Geistlichen über ihrer Kutte. Auf den Helmen prangten deutlich schwarze Federn. Auf den Schildern und den Siegeln war außerdem das Emblem eines Adlers mit abgewinkelten Flügeln und ausgestreckten, zum Greifen bereiten Krallen abgebildet.

Unter den Persönlichkeiten, die den Orden des schwarzen Kreuzes nachhaltig geprägt hatten, ist Hermann von Salza[4], Hochmeister des Ordens von 1211 bis 1239, der Heinrich Bard nachfolgte.

Von Salza stammte aus Thüringen und war Ratgeber Friedrichs II von Hohenstaufen[5], sowie bevorzugter Gesprächspartner von Papst Honorius III.

Der Kaiser lernte den „Kriegsritter“ 1216 in Nürnberg anlässlich einer Schenkung an den Orden kennen. Dieses Treffen erwies sich für Friedrich II als wahres Glücksmoment, stellte sich doch augenblicklich ein beidseitiges Gefühl des Verstehens und gegenseitigen Respekts ein.

Der Hochmeister erhielt Aufgaben größter Bedeutung. Gemeinsam mit dem Erzbischof Berardo von Castacca wurde er zu einem der zuverlässigsten Männer am Hofe Friedrichs II. Und den Einfluss, den beide bei der Kurie Roms genossen, kam der hohenstaufischen Sache mehr als zugute.

 

Hermann von Salza

 

Hermann von Salza machte den Aufschub des Kreuzzuges, welcher doch so oft von Honorius III eingefordert wurde, möglich. Er war es auch, der für die Rekrutierung kaiserlicher Soldaten in Deutschland sorgte. Er war außerdem mehrere Male in Syrien, wo er mit seinem Orden wirkte, um die Befreiung der heiligen Grabstätte zu organisieren.

Er stiftete des weiteren die Ehe zwischen Friedrich II und Jolande (oder Isabella, wie sie auch genannt wurde), Tochter des Herrschers von Jerusalem, Johann von Brienne. Und er nahm schließlich 1228 am Kreuzzug Friedrichs II  teil.

Mehr noch: Der einzige Orden, der den Kaiser während des sogenannten „Kreuzzugs der Exkommunizierten“ unterstützte, war der Deutschritterorden, da die Tempelritter und Johanniter aus Treue zum Pontifex eine recht feindliche Einstellung zur kaiserlichen Kampagne aufwiesen, die noch dazu zur Einnahme der heiligen Stätten ohne Blutvergießen führte.

Von Salza war ein unermüdlicher Diplomat; wie oft legte er nicht den staubigen Weg zwischen Foggia und Rom zurück um Nachrichten zu überbringen oder um zu vermitteln. Und trotz der zahllosen Verpflichtungen bei der kaiserlichen Kurie verlor er nie die Kontrolle über den Orden. Und – er blieb seinem Herrn bis zum Tode treu.

Diese Treue ließ den Orden die Gunst Friedrichs II nutznießen; durch sie kam es zur  Errichtung einer ganzer Anzahl von Festungen und Kommende (Ordenshäuser) auf der Achse Libanon-Jordanien, um die syrisch-palästinensische Küste zu verteidigen; und es konnten dadurch auch große Besitztümer in Apulien [6] und Sizilien erworben werden. In beiden italienischen Regionen wurden Besitztümer und Klöster unermesslichen Wertes verwaltet.

 

Skulpturfund von Torre Alemanna – Corneto – Cerigniola /Foggia, Waffen des Deutschritterordens.

 

Zwischen 1225 und 1226 rief der polnische Graf Konrad von Masowien die Deutschritter zur Hilfe um die Heiden des Nachbarn Preußen zu bekämpfen.

Von Salza nutzte abermals die hervorragenden Beziehungen zum staufischen Hofe, um von Friedrich II am 26. März 1226 in Rimini durch die kaiserliche Bulle das Recht auf Eroberung und Bekehrung von Gebieten Preußens zu erhalten und erwirkte von Friedrich II die Schenkung des Kulmer Lands, welches wiederum eine Schenkung des polnischen Grafen war.

Von jenem Zeitpunkt an führten die Deutschritter fast 50 Jahre einen langen und grausamen Eroberungsfeldzug in Osteuropa, der wie ein Kreuzzug bemessen war. Nachdem sie ihre militärischen Kräfte und ihre fähigsten Architekten nach Osteuropa verbracht hatten, führte ihre dortige Gegenwart in kurzer Zeit zur Gründung von neuen Städten, Festungen, Häfen und Handelszentren, die darauf ausgerichtet waren, dem Einfall der Barbaren am östlichen Rande Europas zu begegnen.

1237 bekam das preußische Gebiet die Region Livland hinzu. Diese Region war dem Schwertbrüderorden[7] zugeteilt, der seinerseits in den Deutschrittern aufging. Danach wurde auch noch Estland unterworfen.

 

 

Deutsches schwarzes Tatzenkreuz

Kreuz der Deutschritter aus dem, (Teatro Araldico 1841-1851)

1242 wurde die Expansion auf dem zugefrorenen See Peipus von den Russen unter Alexander Nevskij[8] aufgehalten, der die Deutschritter dort besiegte.

Nach diesem Ereignis konzentrierte der Orden seine Kräfte vor allem gegen die litauische Bevölkerung, die die Gebiete zwischen Preußen und Livland bevölkerten: Und trotz der heftigen Gegenwehr der örtlichen Stämme konnte Preußen 1283 endlich von den Männern im weißen Mantel und dem schwarzen Kreuz als erobert bezeichnet werden.

 

 

Schlacht auf dem zugefrorenen See Peipus, eine Szene aus dem Film „Alexander Nevskij“ (1938) unter der Regie von S. Ejzenstejn.

 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden die Deutschritter, in Ansehen und Macht gestärkt, ein militärisches, sowie finanzielles Machtelement ersten Ranges in Europa und erfuhren unter dem Hochmeister Winrich von Kniprode (1352-1382) einen Höhepunkt ihres Ruhmes.

Der Abstieg der Ritter des schwarzen Kreuzes, die die baltischen Völker so sehr unterworfen und gedemütigt hatten, begann in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, nach der schweren Niederlage, die ihnen  1410 bei der Tannenberger Schlacht vom polnischen König Jagiello Wladislaw II[9] zugefügt wurde und der sie durch Traktate zu Gebietsabgaben zwang.

Hochmeister Winrich von Kniprode

Bedrängt auf der einen Seite von den deutschen Prinzen, die gierig auf neue Ländereien waren auf und der slawischen Bevölkerung auf der anderen, mussten sie vielen Schwierigkeiten begegnen, die durch den Vormarsch der lutherischen Reform nur noch verstärkt wurden. Diese löste eine nicht wieder gutzumachende Krise innerhalb des Ordens aus. Die protestantischen Ideen untergruben den bis dahin unerschütterlichen Glauben und verursachten einen inneren Riss, bis sich schließlich im Jahre 1525 der Hochmeister Albrecht von Brandenburg[10] dem lutherischen Glauben anschloss und Preußen ins Kurfürstentum Brandenburg verwandelte.

So wurde der teutonische Ordensstaat aufgelöst, aber der Orden überlebte unter dem schützenden Flügel des Monarchenhauses Habsburg in Österreich, wohin die letzten, dem katholischen Glauben treu gebliebenen Ritter flüchteten.

1809 löste Napoleon Bonaparte den Orden in Deutschland auf.

Franz I von Österreich restaurierte 1834 den Orden indem er das Statut änderte. Fortan hieß der Orden „Deutscher Ritterorden“. Nochmals wurde der Orden 1929 dem kanonischen Recht angepasst und während der Nazizeit von Hitler abermals aufgelöst.

Heute hat der Deutschritterorden seinen Schwerpunkt auf den geistlichen Aspekt gelegt und den des Rittertums völlig verloren. Konform mit dem neuen Statut, das 1965 vom apostolischen Sitz anerkannt wurde, ist sein momentaner Hochmeister Abt Pater Dr. Bruno Platter O.T. und der Sitz des Ordens ist heute Wien.

Anmerkungen:

[1] Auch bekannt unter dem Namen „Ordo Sanctae Mariae Theutonicorum“ oder „Deutschherrenorden“

[2] Von der Kirche und vom Hospiz der Heiligen Maria, die süd-östlich von Jerusalem liegt, wurden kürzlich die archäologischen Überbleibsel restauriert.

[3] Das charakteristische schwarze Tatzenkreuz, das später das Wappen der Hohenzollern werden soll und anschließend das deutsche Kreuz nach mehreren grafischen Änderungen.

[4] Hermann von Salza urde 1170 im Schloss zu Salza geboren. Er stammt aus einer Familie aus Langensalza in Thüringen und starb 1239 in Salerno (südlich von Neapel, Italien )

[5] Friedrich II reformierte 1212 den Orden und glich das Ordensstatut dem Modell der Johanniter an, vor allem was die religiösen Pflichten anging, während die Statutenreform Beispiel an den Templern nahm, was die kriegerischen Angelegenheiten des Ordens betraf.

[6] Ordenssitze in Apulien waren unter anderem: Brindisi, Barletta, Vinosa, Mesagne, Torre Alemanna /Corneto (bei Cerignola, Provinz Foggia).

[7] Der Schwertbrüderorden von Livland: Ein von Bischof Albert von Apeldera 1202 gegründeter Ritterorden, der den heidnischen Kulten entgegenwirken sollte.

[8] Alexander Nevskij oder Nevsky (*1220 in Wladimir, +1263 in Gorodez), Herzog von Novogorod (1236-1252), Großherzog von Wladimir (1252-1263). Als Prinz von Novogorod kam Alexander nach dem Tod des Bruders 1236 and die Macht. Er schlug an der Newa die Schweden (1240) und in der Eisschlacht (1242) auf dem Peipussee die Deutschritter. Nachdem er 1252 die Litauer schlug wurde er Großherzog von Vladimir und sicherte so die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft Novogorods an der Ostsee. Von den Mongolen der Goldenen Horde, die ganz Russland kontrollierten, erhielt er die Großfürstenwürde. Nach seinem Tod wurde Alexander von der orthodoxen Kirche seliggesprochen.

[9] Jagiello Wladislaw II von Polen (geb.1350 – gestorben in Grodek 1434), Koenig von Polen (1386-1434), Gründer der Jagiellonen-Dynastie, ab 1377 Großherzog von Litauen, schloss er Litauen 1386 an Polen an, welches er von seiner Ehefrau Hedwig als Mitgift
bekommen hatte. Hedwig war Tochter und Erbin von Ludwig I von Anjou, König Polens und Ungarns. 1410 besiegte Jagiello in der Schlacht bei Tannenberg (oder Grünwald) die Deutschritter.

[10] Albrecht von Brandenburg wurde von Luther selbst aufgefordert, den protestantischen Glauben anzunehmen. Das tat er und legte sein Amt als Hochmeister des Ordens nieder. Dann wandelte er den preußischen Ordensstaat ins laizistische Brandenburg um. Der Orden verlor also Preußen, blieb aber weiterhin katholisch. Bis zur Ernennung des nächsten Hochmeisters, Walther von Cronberg, seitens des Kaisers Karl V, vergingen fast zwei Jahre.


Bibliographienachweis: Bitte sehen Sie italienische Bibliografia:

  • Eberhart Horst, Federico II di Svevia L'imperatore filosofo e poeta, Rizzoli Supersaggi, Milano, 1994.

  • Hubert Houben, La presenza dell'Ordine Teutonico a Barletta (sec. XII-XV), in: Barletta, crocevia degli Ordini religioso-cavallereschi medioevali. Seminario di studio, Barletta 16 giugno 1996 (Taranto 1997) pp. 23-50.

  • Hubert Houben, Federico II, l'Ordine Teutonico e il «castrum» di Mesagne. Nuove notizie da vecchi documenti, in: Itinerari di Ricerca Storica 10 (1996) pp. 31-62 [anche in: Castrum Medianum 6 (1998) pp. 27-69].

  • Hubert Houben, L'Ordine Teutonico nel Salento: bilancio storiografico e prospettive di ricerca, in: L'Idomeneo. Società di Storia Patria per la Puglia. Rivista della Sezione di Lecce 1 (1998) pp. 139-160.

  • Monika Pelz, Speciale Cavalieri Teutonici – L’epopea dei monaci guerrieri, Medioevo, De Agostini - Rizzoli Periodici, n° 12 dicembre 1998.

  • Henry Bogdan, Cavalieri Teutonici, storia e leggende dei monaci guerrieri che conquistarono le steppe; edizioni PIEMME, 1998.
    (les chevaliers teutoniques; Librairie Academique Perrin, 1995; Traduzione dal francese a cura di: Franca Genta Bonelli.)

  • Franco Cardini, Le Crociate – la Storia oltre il mito, Medioevo Dossier, De Agostini - Rizzoli Periodici, n° 2/1999.

  • Franco Cardini, Gli Ordini Cavallereschi – una grande epopea che ha origine in Terrasanta, Medioevo Dossier, De Agostani - Rizzoli Periodici, n° 3/2000.

  • Franco Cuomo, GLI ORDINI CAVALLERESCHI – NEL MITO E NELLA STORIA DI OGNI PAESE, editore Universale Storica Newton, gennaio 2004.

Copyright  ©2004 Alberto Gentile

Deutsch von Claudia Litti

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