Friedrich II zwischen Päpsten und Freien Städten

von Carlo Fornari.

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Friedrichs II schwierige Karriere als Kaiser begann im Jahre 1212 mit einer Reise nach Deutschland, ins Land seiner Ahnen.  Schon damals hatte er den innigen Wunsch, den Traum seines Großvaters Friedrich Barbarossa und seines Vaters Heinrich VI zu verwirklichen, nämlich:

Die Gebiete zwischen dem Mittelmeer und der Nordsee in einem einzigen großen Reich zu vereinigen.  

Und sogleich stand er vor vorhersehbaren Hindernissen:

-         Im Deutschen Reich waren es die Adligen, die nun schon seit Jahren gewohnt waren, ohne kaiserliche Autorität zu handeln und die sich Einschränkungen ihrer freien Entscheidungsgewalt sicherlich nicht gefallen lassen würden.

-         Im Sizilianischen Reich hingegen hatten die Fürstenhäuser die wirtschaftlichen Aktivitäten fest in ihrer Hand während die muselmanische Gemeinde noch immer Schwierigkeiten hatte, sich sozial zu integrieren.

Zwischen 1212 und 1223 schaffte es Friedrich, zu Übereinkünften mit dem deutschen Adel zu kommen, sowie eine annehmbare Lösung für die haarigen sizilianischen Probleme zu finden.

Doch der wahre Dorn in Friedrichs II Auge waren der Papst in Rom und die lombardischen Städte, die im Kampf gegen das Kaiserreich zahlreiche Verbündete fanden.

Der Papst gab ihm wenigstens zwei gute Motive zur Sorge: 

-     Das erste betraf den alten, mittelalterlichen Streit, nach dem sowohl Papsttum als auch Kaiserreich sich direkt von Gott bestellt sah, und das ihrer beiden Aufgaben darin bestand, sowohl das geistliche, als auch das weltliche Leben auf der Erde zu gewährleisten.

Der Papst verglich die Kirche mit der Sonne, die das Kaiserreich erleuchtete, das mit dem Mond verglichen wurde. Und der Kaiser konnte solche Darstellungen natürlich nicht gelten lassen, mehr noch, er wollte, dass die Kirche nicht mehr als nur sein rechter Arm in Glaubensfragen sein sollte. 

-     Das zweite Motiv ergab sich aus dem Willen der Kirche, eine solide, irdische Macht zu werden; und eben im 13. Jahrhundert inszenierten  die Päpste nicht wenige Intrigen und politische Manöver um ein so mächtiges Kaiserreich, welches die päpstlichen Machtbestrebungen einschränken könnte, zu verhindern. 

Daher auch die Anweisung, dass das deutsche Kaiserreich, das Königreich Italien und das Königreich Sizilien nie unter einer unbequemen Krone vereint sein sollen.

Die freien lombardischen Städte, nachdem sie einmal die Autonomie gekostet hatten, wollten weder Einmischungen seitens der Kirche, noch seitens des Kaiserreichs dulden. 

Im Gegenteil, sie arbeiteten so geschickt, dass sie von beiden Seiten die größtmöglichen Vorteile erhielten. 

Der Kampf Friedrichs II mit den Päpsten und den lombardischen Städten war lang und mühsam: An ihm sollte sein kaiserlicher Traum letztendlich zerbrechen. 

Die Päpste und Friedrich II 

Friedrichs Amt und das Papsttum kann man sowohl in ihrer Betrachtung, als auch in ihrer Bedeutung nicht trennen, lebten sie doch er stets langwierige, ja oft dramatische Streitigkeiten.

 

Papst Innozenz III  (1198 – 1216) war einer der größten Pontifices der Christenheit, der Mann, der die Kirche auf den Höhepunkt ihrer Macht im Mittelalter brachte. Bevor Konstanze von Hauteville das Zeitliche segnete, über-antwortete sie ihren Sohn, den kleinen Friedrich in seine Obhut. Er nahm die Aufgabe an, sah er doch darin die Chance, aus dem Jungen einen künftigen Kaiser zu machen, der der Kirchenmacht als Marionette hilfreich sein konnte. 
Aber die unglücklichen Umstände auf Sizilien machten ihm die geplante Erziehung unmöglich. So lebte Friedrich eine sehr schwierige Kindheit und wuchs inmitten eines ärmlichen, von Fürstenhäusern geschundenen Palermo, inmitten der armen Leute auf. Dieses Schicksal ermöglichte es ihm jedoch, eine Gesellschaft kennen- und verstehen zu lernen, die multikulturellen und vielvölkerlichen Charakter besaß. Auf diese Weise lernte er, tolerant und verständnisvoll zu sein und die Integration von Kulturen und Religionen zu befürworten. 1212 finanzierte Innozenz III Friedrichs erste Reise nach Deutschland, aber er wird seine Rückkehr nicht mehr erleben. 

Papst  Honorius III (1216 – 1227) krönte Friedrich 1220 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nachdem er ihn Untertänigkeit gegenüber der Kirche hatte schwören lassen, und vor allem, nachdem er ihm das Versprechen abgenommen hatte, in kürzester Zeit einen Kreuzzug ins Heilige Land zu unternehmen. Aber er war tolerant und verständnisvoll und er brachte es nicht über sich, Zwangsmassnahmen gegen den Kaiser einzuleiten. Er starb, ohne die Abreise der von ihm angewiesenen Mission zu erleben. 

 

Papst Gregor IX (1227 – 1241) war ein entschlossener Mann, der unter allen Umständen die Machtpolitik der Kirche durchsetzen wollte. Eben erst zum Papst gewählt, zwang er Friedrich auch schon, noch innerhalb seines ersten Investiturjahres den Kreuzzug zu beginnen. Als der nochmals aufgeschoben wurde, exkommunizierte er den Kaiser kurzerhand. Friedrich nahm den verhassten Kreuzzug im darauffolgenden Jahr trotzdem endlich in Angriff. Daher wurde dieser später auch „Der Kreuzzug der Exkommunizierten“ genannt.

 

Papst Gregor IX, (Universitätsbibliothek Salzburg, M III 97, 122rb, ca. 1270)

 

Nach der Versöhnung exkommunizierte Gregor Friedrich nach einer langen Kontroverse später noch einmal; er berief sogar ein Konzil in Rom ein mit der offenen Absicht, den Kirchenbann zu erneuern und den Kaiser abzusetzen. Friedrich widersetzte sich, erschien beim Konzil nicht und fing stattdessen die Schiffe der französischen und englischen Kleriker auf dem Weg nach Rom eben zum Konzil vor  der Insel Giglio ab. Das war nun der Beginn eines langen, offen erklärten Krieges, der erst unter Innozenz IV sein Ende finden sollte.

 

Papst Innozenz IV Nach sehr kurzem Interregno (Zwischenregierung) von Papst Coelestin IV, der aus dem ersten Konklave der Geschichte hervorging, wurde Papst Innozenz IV gewählt (1243 – 1254). Dieser wird sich als Friedrichs II absoluter Todfeind erweisen. Nach Beginn von Verhandlungen, die sich schnell als unmöglich erwiesen floh Innozenz aus Rom nach Lyon, wo er die heilige Kurie hinversetzte und wo er ein Konzil einberief, während dem der Kaiser exkommuniziert und abgesetzt wurde.

Papst Innozenz IV beim Konzil in Lyon

 

Da er sein Ziel nicht erreicht hatte, arbeitete er nun daran, den Kaiser physisch zu vernichten. Nach einem fehlgeschlagenen Anschlag Ostern 1246 verwickelte er den Kaiser in die Belagerung Parmas, aus der dieser am  18. Februar 1248 besiegt hervorging.

Friedrich gab sich aber nicht geschlagen; er wetzte wieder die Messer, um kräftig zurück zu schlagen, als ihn der Tod im Schloss Fiorentino am 13. Dezember 1250 ereilte.

 

 

Die Freien Lombardischen Städte

Der Streit zwischen Friedrich II mit den lombardischen Städten dauerte ganze 36 Jahre: von 1212 bis 1248, Jahr der Niederlage in Parma. Doch der Gipfel des Konflikts war von 1236 bis 1239, als der Kaiser, der die Absicht hatte, die Städte nun endgültig unter seine Herrschaft zu bringen, ganze vier Feldzüge gegen die Lombardei führte. 

1236: Friedrich, soeben aus Deutschland zurück, ging eine Allianz mit Etzel von Romano ein, einem Kriegsherrn, der in Vincenza, Padua, Verona und in der trevigianischen Mark wirkte. Mit seiner Hilfe, durch die verhindert wurde, dass der Lombardenbund die Schleusen von Verona  und damit den Weg nach Norden besetzte, führte er einen Überfall aus, durch den er die feindliche Stadt Vicenza unterwerfen konnte. 

1237: Gestärkt durch den vorhergegangenen Sieg griff Friedrich nun Brescia, die Stadt, die ihm einen erleichterten Zugang zu Mailand erlaubt hätte, an. Er belagert die Stadt und zieht so die Streitkräfte des Lombardenbundes an, begegnet ihnen auf offenem Feld und besiegt sie in der legendären Schlacht bei Cortenuova

1238: Nach dem Sieg bei Cortenuova versuchte Friedrich nochmals die Belagerung von Brescia, konnte die Stadt aber nicht einnehmen, die nun von der gesamten Streitmacht der Lombarden verteidigt wurde. Der Abzug des kaiserlichen Heers von der lombardischen Stadt schmeckte bitterer als eine Niederlage, ging doch Gregor IX erstarkt aus ihr hervor und verlieh er doch dem Lombardenbund neue Glaubhaftigkeit und Stärke. 

1239: Die dritte Exkommunizierung Friedrichs II durch Gregor IX am 20.März 1239 provoziert den Kaiser zum vierten Feldzug in die Lombardei. Dort versucht Gregor vergebens, die Städte Genua und Venedig mit in den Konflikt zu ziehen, indem er an ihre Handelsambitionen auf das Königreich Sizilien appelliert. 

In langen Jahren ständiger Konflikte kam man schließlich ins Jahr.... 

...1248, dem Jahr der Abtrünnigkeit und der Belagerung Parmas, Ereignisse, die den Beginn des sichtbaren Niedergangs des hohenstaufischen Kaiserreichs zeichneten.  

 Copyright  ©2002 Carlo Fornari 

Deutsch von Claudia Litti

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